Alle Filme werden im  Filmmuseum München
 St. Jakobs-Platz 1,
 im Stadtmuseum  gezeigt.

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In der von der Akademie und dem Filmmuseum München veranstalteten Reihe Psychoanalyse und Film werden folgende Filme von einer Psychoanalytikerin und/oder einem Psychoanalytiker kommentiert (einschließlich Diskussion mit dem Publikum)

Aktuelles Filmprogramm

Film und Psychoanalyse - Verwandlung

Vom ersten Schrei bis zum letzten Seufzer bestimmt Verwandlung unser Leben. In der Kindheit noch triumphal erlebt, wird sie in der Jugend zum drohenden Identitätsverlust, der Urängste und Horrorgefühle freisetzt, aber auch das Hochgefühl der Erneuerung. Im Alter gerinnt sie zur Angst  vor der ultimativen Verwandlung des Individuums, dem Tod. Auf dem langen Weg dahin stellen wir allerlei innere und (nicht nur erfreuliche) äußere Wandlungen an uns fest. Von Ovids Metamorphosen über Kafkas Käfer bis zum Frankenstein und Transformer haben sich Literatur, Film und Medien immer wieder mit dem Faszinosum der Verwandlung auseinandergesetzt. Die ausgewählten Filme der Staffel, die nicht zufällig mehrfach dem fantastischen Genre angehören, zeigen die Wandlung des Verwandlungsthemas in den letzten Jahrzehnten, sowohl in Form und Inhalt als auch in Bezug auf gesellschaftliche Veränderungen, die die künstlerische Vision inspirieren. Eine filmpsychoanalytische Interpretation wird dabei herauszuarbeiten suchen: Welche Verwandlung(en) suchen wir in der Dunkelkammer des Kinos, in denen wir eine Zeit lang ein anderer sein dürfen?
Dr. med. Salek Kutschinski


Sonntag 16. Oktober 2016, 17:30 Uhr
The Fly
(Die Fliege) – Kanada,USA 1986 – R: David Cronenberg – B: Charles Edward Pogue, David Cronenberg – K: Mark Irwin – M: Howard Shore - D: Jeff Goldblum, Geena Davis, John Getz – 96 min, OmU
Einführung und Kommentar: Salek Kutschinski und Mathias Lohmer

Im Remake des gleichnamigen Filmklassikers aus den Fünfziger Jahren spielt der junge Jeff den genialen Wissenschaftler Seth Brundle, dem im kühnen Eigenversuch erstmalig eine Teleportation gelingt, doch wird durch einen Computeralgorithmus sein Chromosomensatz mit dem einer Fliege fusioniert, die unbemerkt in die Maschinerie hineingeraten ist. Eine Unachtsamkeit mit katastrophalen Folgen für den frisch in eine Journalistin (Geena Davis) verliebten Brundle! Seine langsame mentale und physische Verwandlung in ein monströses Hybrid aus Mensch und Fliege ist filmisch spektakulär und emotional bewegend. Der Zuschauer gerät gemeinsam mit der Geliebten in ein Gefühlschaos von Abscheu und Mitleid und erlebt in den Visionen von Regisseur Cronenberg, was „Fatalität“ bedeutet. Der wahre Horror, bekannte Cronenberg, sei der tägliche Blick in den Spiegel, da er den Alterungsprozess und damit die unaufhaltsame Verwandlung zum Tode hin zeige. Und: „Jede Kunst ist im Grunde eine Untersuchung der Conditio humana“.


Sonntag 20. November 2016, 17:30 Uhr
Black Swan
USA 2010 – R: Darren Aronofsky – B: A. Heinz, M. Heymen – K: Matthew Libatique - M: Clint Mansall - D: Natalie Portman, Vincent Cassel, Mila Kunis, Barbara Hershey, Winona Ryder:- 108 min, OmU
Einführung und Kommentar: Eva Friedrich und Irmgard Nagel

Nina Sayers (Natalie Portman) ist Primaballerina einer New Yorker Ballett-Company. Sie hat die große Chance, bei einer Neuinszenierung von „Schwanensee“ die Doppelrolle des weißen und schwarzen Schwans tanzen zu dürfen. Für die Rolle des weißen Schwans ist sie prädestiniert – ätherisch schön, mit unschuldiger Ausstrahlung. Nina lebt zusammen mit ihrer verbissen-ehrgeizigen Mutter (Barbara Hershey), einer ehemaligen Tänzerin, die ihr Leben dem Erfolg der Tochter verschrieben hat. Diese klaustrophobisch-enge Welt der beiden, in der das Leben dem Ballett bis hin zur Selbstaufgabe unterworfen ist, wird bedroht, als Nina, kämpfend mit der Interpretation des sinnlich-leidenschaftlichen schwarzen Schwans, ihrer „verbotenen“ dunklen Seite begegnet, der eigenen Triebhaftigkeit und Sexualität. Immer mehr gerät die junge Frau in eine Identitätsverwirrung, die von ihrem provozierend-erregenden Lehrer (Vincent Cassel) ebenso geschürt wird wie von der lasziven Tänzerin Lily (Mila Kunis). Aronofsky führt den Zuschauer zunehmend vom äußeren Geschehen des Balletts in die Psyche Ninas, in der die Grenzen der Realität zu verschwimmen beginnen.


Sonntag 11. Dezember 2016, 17:30 Uhr
In einem Jahr mit 13 Monden
Deutschland 1978 – R u. B: Rainer Werner Fassbinder – K: R. W. Fassbinder - M: Peer Raben u.a. - D: Volker Spengler, Ingrid Caven, Gottfried John, Elisabeth Trissenaar, Eva Mattes, Günther Kaufmann – 119 min
Einführung und Kommentar: Mathias Lohmer und NN

Der Film, einer der persönlichsten und radikalsten von Fassbinder, erzählt die letzten Tage im Leben von Erwin/Elvira (gespielt von Volker Spengler), eines Transsexuellen, der weder mit sich zurechtkommt, noch mit denen, von denen er geliebt werden möchte. Auch die ultimative Verwandlung seines Körpers von Mann zu Frau bringt nicht die ersehnte Liebes-Rettung. Die Verwandlung des Körpers des Protagonisten, aber auch der Atmosphäre der Müll-Tod-Stadt Frankfurt in den 70er Jahren, Anpassungssucht und Verachtung der Figuren, Grausamkeit und Ausbeutung des „Systems“ ergeben im Film ein Panoptikum, in dem die künstliche Verwandlung als Metapher des Scheiterns subjektiver Inszenierungen gezeigt wird.


Sonntag 15. Januar 2017, 17:30 Uhr
Le Locataire
(Der Mieter) – Frankreich 1976 - R: Roman Polanski – B: G. Brach, R. Polanski – M: Philippe Sarde – D: Roman Polanski, Isabelle Adjani, Melvyn Douglas, Jo Van Fleet - 120 min, OmU
Einführung und Kommentar: Corinna Wernz, Katharina Leube-Sonnleitner

Das Thema der neuen Staffel von „Film und Psychoanalyse“, „Verwandlung“ hat seine berühmteste literarische Vollendung in der gleichnamigen Erzählung von Franz Kafka gefunden. Der Eindruck des Kafkaesken, des Klaustrophobischen, der Unentrinnbarkeit, der kontrollierenden Blicke ist eine zentrale Erfahrung, die der Zuschauer beim Sehen von Polanskis Film macht. Der von Polanski selbst gespielte Protagonist als Mieter einer Wohnung in einem düsteren, heruntergekommenen Pariser Innenhof, geht unaufhaltsam dem gleichen Schicksal –Suizid – entgegen, wie die Vormieterin. In seinem Versuch, die rigide Hausordnung zunächst zu umgehen, dann in ihrem Sinn zu verstehen, um sich schließlich zu unterwerfen, erinnert er ebenfalls an eine zentrale Figur aus dem Kafka- Kosmos, nämlich Josef K. aus „ Der Prozess“ . Handelt es sich bei diesem Meisterwerk Polanskis nur um die Darstellung des schleichenden Beginns und Verlaufs einer Psychose? (in dieser Hinsicht verbindet ihn ein enges thematisches Band mit Polanskis vorherigen Filmen Repulsion (Ekel) von 1965 und Rosemary‘sBaby von 1968)? Oder unternimmt der Film nicht auch die Bebilderung eines inneren Zustands, in dem die Grenzen von Innen und Außen, von Projektion und Realität verschwimmen, und in dem wir uns als Zuschauer durch den Schrecken den der Film erzeugt, selbst wieder finden können?


Sonntag 19. Februar 2017, 17:30 Uhr
Cat People
(Katzenmenschen) - USA 1982 – R. Paul Schrader – B: Alan Ormsby, P. Schrader – K: John Bailey - M: Giorgio Moroder - D – Nastassja Kinski, Malcolm McDowell, John Heard, Annette O´Toole - 112 min, OmU
Einführung und Kommentar: Matthias Baumgart und NN

Nach vielen Jahren hat Paul seine getrennt von ihm aufgewachsene Schwester Irena ausfindig gemacht und zu sich nach New Orleans geholt. Er weiht sie in das Familiengeheimnis ein: Sie und er seien Katzenmenschen, die nur im von ihm nahegelegten Inzest gefahrlos Sex haben können. Sonst verwandeln sie sich nach dem Akt in schwarze Panther und kehren erst wieder in ihre Menschengestalt zurück, wenn sie getötet haben. Irena will das nicht glauben und verliebt sich in einen anderen Mann, ausgerechnet einen Zoodirektor - Oliver. Der oft düstere, mit vielen monochromen und traumartigen Nachtaufnahmen durchsetzte Film ist ein Remake von Jaques Tourneurs gleichnamigem Klassiker, die auch dort handlungsbestimmende sexuelle Phantasie wurde um das Inzestthema erweitert. Am Schluss ist Paul tot und Irena lebt nach einer Liebesnacht mit Oliver als Panther mehr oder weniger freiwillig hinter Gittern weiter. Das Filmende wurde als konservativer filmischer Abwehrreflex gegen die damals erstarkende Frauenbewegung kritisiert. Das unterschlägt aber einerseits Schraders erotisch unglaublich attraktive Inszenierung von Nastassja Kinski als Irena und andererseits, dass das Drehbuch Paul (Malcolm McDowell in einer seiner besten Rollen), den männlichen, ebenfalls sexuell ungestümen Katzenmenschen, sogar zum Tode verurteilt.


Alle Filme werden im Filmmuseum München, St.Jakobs-Platz 1 gezeigt.

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