Alle Filme werden im  Filmmuseum München
 St. Jakobs-Platz 1,
 im Stadtmuseum  gezeigt.

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aktuelle Hinweise





























































In der von der Akademie und dem Filmmuseum München veranstalteten Reihe Psychoanalyse und Film werden folgende Filme von einer Psychoanalytikerin und/oder einem Psychoanalytiker kommentiert (einschließlich Diskussion mit dem Publikum)

Aktuelles Filmprogramm

Alles was Recht ist

Alles was recht ist – eine gebräuchliche Redewendung, die auf das menschliche Bedürfnis nach moralischer Klarheit hinweist. Aber ist es wirklich so einfach, zwischen Recht, Unrecht, Schuld und Unschuld zu unterscheiden? Sicher doch, könnte man sagen; nach Freuds Strukturmodell verfügt jeder Mensch über eine moralische Instanz, das Über-Ich, in dem gesellschaftliche Normen und Regeln verankert sind. Dem steht nun aber das nach unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung strebende Es diametral gegenüber. Und das im Realitätsprinzip verankerte Ich kann nicht immer zwischen den divergierenden Strebungen ausreichend vermitteln. Unsere vorgestellten Gerichtsfilme (Der Totmacher, Primal Fear, Anatomie eines Falls) greifen dieses Dilemma auf. In allen drei Werken wird gezeigt, dass das Rechtssystem zwar nach objektiver Wahrheit suchen soll, die menschliche Psyche jedoch - geprägt von unbewussten Motiven, Konflikten, Verdrängungen bis hin zur Verleugnung - ganz eigene Wahrheiten entwickelt, die das Konzept einer juristisch objektiven Wahrheit infrage stellen. Gerade darin liegt ihre filmische Wirkung: Sie stellen die Zuschauer vor die unbequeme Erkenntnis, dass hinter jedem Urteil ein Bereich des Unbewussten bleibt, der sich dem endgültigen Zugriff entzieht.
Irmgard Nagel


Sonntag, 18. Oktober 2026, 17.00 Uhr
Der Totmacher
| D 1995 | R: Romuald Karmakar | B: Romuald Karmakar, Michael Farin| K: Fred Schuler | D: Götz George, Jürgen Hentsch, Pierre Franckh| 110 min |
Einführung und Diskussion: Irmgard Nagel und Corinna Wernz

„Der Totmacher“ gehört zu den eindringlichsten Kammerspielen des deutschen Kinos. In einem nahezu leeren Verhörraum begegnen sich der Serienmörder Fritz Haarmann und der Psychiater Ernst Schultze zu einem Gespräch, das weniger als Kriminalfall, denn als eine Expedition in die Abgründe menschlichen Innenlebens sich entpuppt. Auf Grundlage der authentischen historischen Verhörprotokolle des Kriminalfalles von 1924 entfaltet Romuald Karmakar einen „Dialog“ über Schuld, Begehren, Gewalt und das Wissenwollen um die Abgründe der Persönlichkeit. Haarmann erscheint weder als bloßes Monster noch als einfacher Krankheitsfall, sondern als verstörende Figur zwischen Verführungs- und Nähesehnsucht, Regression in Machtgelüste und deren kompromisslose Realisierung sowie aufscheinende Selbstrechtfertigung. Götz George gelingt dabei - dramaturgisch sekundiert durch sein befragendes Gegenüber - eine sympathetische Darstellung des Sexualverbrechers, die den Zuschauer in einen Konflikt zwischen Faszination und Abwehr versetzt, zwischen befremdeter Nähe und angst- und ekelbeladener Distanz.


Sonntag, 22. November 2026, 17.00 Uhr
Primal Fear
| USA 1996 | R: Gegory Hoblit| B: Steve Shagan, Ann Biderman, William Diel| K: Michael Chapman |M: James Newton Howard| D: Richard Gere, Edward Norton, Laura Linney| 125 min |
Einführung und Diskussion: Mathias Lohmer und Vivian Pramataroff-Hamburger

Ein Staranwalt (Richard Gere) übernimmt pro bono die Verteidigung eines jungen Messdieners (Edward Norton in seiner ersten Spielfilmrolle), der beschuldigt wird, den angesehenen Erzbischof von Chicago brutal ermordet zu haben. Im Zentrum des Filmes steht eine klassische US-amerikanische Gerichtsverhandlung als Duell zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung vor den Geschworenen. Die zentrale Frage von Schuld und Unschuld scheint sich gelungen aufzulösen, als der Angeklagte unter Stress direkt im Gerichtssaal eine klassische dissoziative Persönlichkeitsstörung zeigt, bei der zwei voneinander getrennt gehaltene Teile der Persönlichkeit nebeneinander auftreten können – Schuldunfähigkeit! Aber auch diese Auflösung erweist sich nur als Zwischenschritt bei der Entblätterung der vielfältigen Wahrheits- und Wirklichkeitskonstruktionen in diesem Film. „Niemand kann ein Gesicht für sich selbst und eines für die Menge aufsetzen, ohne am Ende nicht in Zweifel darüber zu geraten, welches denn nun das echte sein mag“ – dieses Zitat von Nathaniel Hawthorne aus Der scharlachrote Buchstabe, das im Prozess vorkommt, markiert das zentrale Dilemma, das dieser Film furios entwickelt und das zu nachhaltigen Erschütterungen im Wahrheitsverständnis des Anwalts und des Zuschauers führt.

Sonntag, 13. Dezember 2026, 17.00 Uhr
Anatomie d’une chute
| FR 2023 | R: Justine Triet | B: Justine Triet, Arthur Harari| K: Simon Beaufils |S: Laurent Sénéchal | D: Sandra Hüller, Swann Arlaud, Milo Machado Graner, Antoine Reinartz, Samuel Theis | 151 min |
Einführung und Diskussion: Andreas Hamburger

Nachdem sein Vater unter mysteriösen Umständen aus dem zweiten Stock ihres Hauses zu Tode stürzte, ist der elfjährige, stark sehbehinderte Daniel der einzige Zeuge für den vorangegangenen Streit mit der Mutter. Eine Gerichtsverhandlung soll den Fall rekonstruieren. War es ein Unfall, Suizid – oder Mord? Schicht für Schicht enthüllt sich die komplexe Dynamik der Ehe, geprägt von Schuldzuweisungen um Daniels Unfall als Kind, der ihn fast erblinden ließ, von Konkurrenz zwischen Samuel, dem Schriftsteller mit Schreibblockade, und der deutschen Bestsellerautorin Sandra, die ihre Stoffe aus dem realen (Familien-)leben nimmt und sich im französischen Alpenidyll gleichwohl entwurzelt fühlt. In Anatomie eines Falls steht die Frage nach der Wahrheit selbst vor Gericht; die anatomische Zerlegung des "Falls" führt uns die Befangenheit aller Beteiligten, aber auch die Konstruiertheit unserer eigenen Wahrnehmung buchstäblich vor Augen.


Alle Filme werden im Filmmuseum München, St.Jakobs-Platz 1 gezeigt.

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