
Alle Filme werden im Filmmuseum München
St. Jakobs-Platz 1,
im Stadtmuseum gezeigt.
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Verlangen – das reicht vom ambivalenten Sehnen und Begehren, weit über Sex hinaus, bis zum entschiedenen Fordern. Als irisierende Vorlust richtet das Verlangen sich auf den schönen Körper und dessen
ökonomische wie narzisstische Aufladung (American Gigolo), kann sich aber ebenso als psychosexuelles Machtspiel entfalten, in dem Begehren und Kontrolle ununterscheidbar werden (Basic Instinct). Es zeigt sich als
bewusst begrenzte, anonymisierte Nähe, die Intimität gerade durch ihre formalisierten Regeln erzeugt (Intimacy) und geht schließlich eine enge Verbindung mit Misstrauen, Paranoia und Gefahr ein (Notorious). In all
diesen Varianten erweist sich Verlangen als ein Kippphänomen, bei dem Anziehung und Bedrohung eng verbunden sind und in einen bisweilen verhängnisvollen Sog münden.
Corinna Wernz
Sonntag, 19. April 2026, 18.00 Uhr
Intimacy | Frankreich/Großbritannien/Deutschland/Spanien 2001 | R:Patrice Chereau | D: Patrice Chereau, Anne-Louise Trividic | K: Eric Gautier |
M:Eric Neveu | Mit: Mark Rylance, Kerry Fox, Timothy Spall, Marianne Faithfull | 117 min | OmU |
Einführung und Moderation: Eva Friedrich und Katharina Leube
Intimacy, der den Wettbewerb der 51. Berlinale gewann, ist ein Film der buchstäblich unter die Haut geht: Claire sucht jeden Mittwoch den etwas prekär lebenden Barkeeper Jay in seiner Wohnung auf, in der sich die
beiden dann ohne viele Worte leidenschaftlich lieben. Sie wissen nichts voneinander, nicht einmal die Vornamen, sind ganz normale Leute mit normalen Körpern, die Bilder vom Sex ungeschönt und freizügig. Die
unausgesprochene Verabredung, die der Mann schließlich bricht, und die die intensiven sexuellen Begegnungen möglich macht, lautet, nicht „mehr“ zu wollen, nicht in das Leben des anderen einzudringen. An einem
Mittwoch jedoch folgt Jay Claire durch London und zerstört mit seiner angeblich zufälligen Annäherung an Claires Ehemann Andy letztlich die Beziehung. Nicht zufällig ist dieser Andy wenig attraktiv, im Gegensatz
zum äußerst männlichen Jay (Mark Rylance). Der Film lotet mit unruhigen, körnigen und realistischen Handkamera-Bildern Fragen von sexueller Anziehung und Liebe, Erotik und Begehren, Verlässlichkeit und Bindung,
Vertrauen und Hingabe aus. Ist es nicht einfach normal, sich zu verlieben, wenn die körperliche Anziehung und Befriedigung so stark ist?
Sonntag, 03. Mai 2026, 18.00 Uhr
Basic Instinct | USA 1992 | R: Paul Verhoeven | D: Joe Eszterhas | K: Jan de Bont | M: Jerry Goldsmith |Mit: Sharon Stone, Michael Douglas | 128 min |OmU
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Einführung und Moderation: Vivian Pramataroff-Hamburger und Andreas Hamburger
Krimihandlung und Begehren verschränken sich in ein psychosexuelles Machtspiel, ein Spannungsfeld von sexueller Anziehung, Kontrollverlust und Todesangst.
Im Zentrum steht der Detective Nick (Michael Douglas), dessen Impulsivität in der Begegnung mit der verdächtigen Krimiautorin Catherine (Sharon Stone) angestachelt wird. Catherine wirkt wie eine Fantasiegestalt,
vielfach begehrt und zugleich berechnend manipulativ. Sie inszeniert eine phallische Weiblichkeit, die sich der symbolischen Ordnung entzieht und damit Macht- und Geschlechterverhältnisse durcheinanderwirbelt.
Die narrative Doppeldeutigkeit des Films zwingt das Publikum bis zuletzt in einen Zustand psychischer Unsicherheit. Nur eines ist klar: Lust und Begehren entstehen, wo Kontrolle und Identität zu zerfallen beginnen.
Sonntag, 07. Juni 2026, 18.00 Uhr
American Gigolo | USA 1980 | R: Paul Schrader | D: Paul Schrader | K: John Bailey| M: Giorgio Moroder | Mit: Richard Gere, Lauren Hutton, Nina van Pallandt, Bill Duke |
112 min| OmU |
Einführung und Moderation: Matthias Baumgart
Callboy Julian Kaye (Richard Gere) weiß das Verlangen seiner reichen Kundinnen zu bedienen: Nicht nur seinen schönen Körper trainiert er gewissenhaft - auch geschmackssichere Eleganz, Sensibilität und humorvolle
Kultiviertheit setzt er klug ein. Gleichzeitig umgibt ihn kühle, egozentrische Unberührbarkeit und er ist hart-professionell in seinen Preisverhandlungen mit Zuhälter Leon (Bill Duke) und Zuhälterin Anne (Nina van
Pallandt).
Als er jedoch in einen schlüpfrigen Mordfall verwickelt wird, zerfällt das Gleichgewicht seines Geschäftsmodells schnell: Frauen lassen ihn im Stich, Männer werden nun sichtbar zu Gegenspielern. Und die Zuschauer,
die zunächst, unterlegt vom jubelnden Blondie-Moroder-Hit „Call me“ an dieser faszinierend moralfreien Existenz voyeuristisch teilhatten, stellen sich nun mit Julian die Frage, ob ihn die ernsthafte Liebe zur
schönen Senatorengattin Michelle Stratton (Lauren Hutton) retten kann. Wir werden also Zeugen einer Läuterung – hin zur Konvention.
Sonntag, 05. Juli 2026, 18.00 Uhr
Notorious | USA 1946 | R: Alfred Hitchcock| D: Ben Hecht, Alfred Hitchcock | K: Ted Tetzlaff | M: Roy Webb | Mit: Gary Grant, Ingrid Bergmann, Claude Rains| 98 min |
OmU |
Einführung und Moderation: Salek Kutschinski und Mathias Lohmer
Das „Verlangen“ ist in diesem Hitchcock-Klassiker vielfältig und konflikthaft: der amerikanische Geheimagent (Cary Grant) verliebt sich in die Agentin (Ingrid Bergmann) und veranlasst sie, sich dem deutschen Nazi
(Claude Rains) als Ehefrau anzubieten, zweifelt an ihrer Wahrhaftigkeit und trägt sie schließlich, als sie durch einen Giftanschlag der Untergrundnazis dem Tode nahe ist, in einer legendären Retter-Szene aus dem
Haus des verliebten Täters. Die Verlangens-Motive aller Beteiligten sind vielfältig: sie schwanken zwischen Pflichtgefühl und Leidenschaft, Misstrauen bis zur Paranoia und Begehren, gipfelnd in einer extatisch
langen Kussszene, dann wieder Eifersucht und gespielter Kälte - und all das vor dem Hintergrund von Uranschmuggel und einer Verschwörung von Exilnazis in Lateinamerika. Das düstere Schwarzweiß des Films und die
Unheimlichkeit beschwörenden Kameraeinstellungen und -fahrten intensivieren den Eindruck des bedrohten Verlangens
Alle Filme werden im Filmmuseum München, St.Jakobs-Platz 1 gezeigt.
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