Alle Filme werden im  Filmmuseum München
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Film und Psychoanalyse































Frühere Filmvorführungen

Thema: Leidenschaften

In der Fortsetzung der Themenreihe Film und Psychoanalyse widmen wir uns diesmal den großen Gefühlen – Begehren, Leidenschaft, Obsession. Leidenschaft umfasst Liebe und Hass, die intensive Verfolgung eigener Ziele. Im ursprünglichen Sinn beinhaltet sie etwas Zerstörerisches, aber im heutigen Sprachgebrauch hat das Leiden schaffende kaum noch Bedeutung. Mittlerweile hat Leidenschaft eher eine positive Konnotation.
Sexuelle und aggressive Triebhaftigkeit der menschlichen Natur begründeten Anfang des letzten Jahrhunderts Freuds klassische Triebtheorie (1905). Sie besagt, dass der Mensch ein Wesen ist, dessen Erleben und Handlungen von seinen Triebwünschen bestimmt sind. Diese müssen aufgrund kultureller Erwartungen unterdrückt werden und gelangen ins Unbewusste. Neuere Perspektiven in der modernen Psychoanalyse haben das Triebkonzept ergänzt, aber nicht ganz ersetzt.
Im Film spielt Leidenschaft oft eine zentrale Rolle. Sie wird inszeniert und in ihrer psychologischen Plausibilität erkundet. Der Zuschauer lässt sich wie im Traum rauschhaft in die auftauchenden Bilder fallen, gibt sich ganz der Leidenschaft auf der Leinwand hin – vermischt Filmdarstellung und eigene Gefühlswelt. Dies erklärt auch die unterschiedlichen Emotionen und Interpretationen, die ein Film im Publikum hervorrufen kann.
Filme anschauen ist verführerisch leicht, wenn man sich der Illusion hingibt - sie zu verstehen erfordert, ihre eigene Sprache zu entschlüsseln. Ähnlich der detektivischen Arbeit einer viele Stunden andauernden psychoanalytischen Behandlung, möchten wir zu einem Verständnis der Botschaften gelangen, die wir unbewusst aus einem Film herauslesen. Form und ästhetische Gestaltung des Films vermitteln diese Botschaft oft wirksamer als Handlung und schauspielerische Darbietung. Filme können vielfältig gedeutet werden - wir stellen eine Form der Interpretation vor.
Dipl.-Psych. Irmgard Nagel, Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie


Mittwoch 17. Juni 2009, 21.00 Uhr
La femme d’à côté (Die Frau nebenan)
– F 1981 – Francois Truffaut – 101 min, OmU
Einführung und Kommentar: Eva Friedrich

Der Zufall bringt Bernard (Gérard Depardieu), der ein bürgerliches Leben mit Frau und Sohn führt, mit Mathilde (Fanny Ardent) wieder zusammen, die mit ihrem Mann das Haus gegenüber bezieht. 8 Jahre zuvor hatten sie einen amour fou, der sie beide zu zerstören drohte. Die Geschichte lässt Truffaut von der lebens- und leiderfahrenen Leiterin des Tennisclubs erzählen. Ihre subjektive Schilderung zeigt der Film in einer Rückblende mit subtiler Dramaturgie und hervorragendem schauspielerischen Format: Es geht um eine fast spielerisch inszenierte, tiefgründige selbstzerstörerische Obsession. Schon die erste Begegnung der Blicke lässt die verstrickende Beziehung spüren, die mit dem Aussprechen von Mathildes Namen ihren Lauf nimmt.


Mittwoch 20. Mai 2009, 21.00 Uhr
Damage (Verhängnis)
- F/GB 1992 - Louis Malle – 107 min, OmU
Einführung und Kommentar: Andreas Hamburger

Ein Blitzschlag des Begehrens verbindet schon beim ersten Blick den distinguierten Staatssekretär Stephen Fleming (Jeremy Irons) und seine rätselvolle, werdende Schwiegertochter Anna (Juliette Binoche) und führt sie in unausweichliche Verstrickung. Meisterhaft inszeniert Louis Malle einen Beziehungsraum inzestuöser, absoluter Liebeswünsche. Auch den Zuschauer zieht der Film in den Bann der Dialektik von Kontrolle und Entgrenzung, Lust und Tod.


Mittwoch 29. April 2009, 21.00 Uhr
Pursued (Verfolgt)
– USA 1947 – Raoul Walsh – 101 min, OmU
Einführung und Kommentar: Salek Kutschinski

In diesem visuell starken und auf der großen Leinwand besonders wirksamen film noir, der oft als erster „psychologischer Western" bezeichnet worden ist, wird ein junger Rancher seit dem gewaltsamen Tod der Eltern in seiner Kindheit von Alpträumen und flashbackartigen Erinnerungen heimgesucht, während er gleichzeitig real von einem mysteriösen Attentäter verfolgt wird, ohne den Grund hierfür zu kennen. Da seine Pflegemutter ihm nicht seine rätselhafte Herkunft und Vergangenheit erklärt, kann er sich weder gegen die von innen noch außen kommende Bedrohung angemessen schützen. Die shakespeareanisch anmutende Dramaturgie um verbotene Liebe, Hass, Mord und Vendetta kommt durch die expressionistisch kontrastierende Kameraarbeit James Wong Howes raffiniert zur Geltung.


Mittwoch 18. März 2009, 21.00 Uhr
Los Amantes del Circulo Polar (Die Liebenden des Polarkreises)
- Sp/F 1998 - Julio Médem, - 100 min, OmU
Einführung und Kommentar: Heidi Spanl

Der Film von Julio Médem beginnt mit kunstvoll geschnittenen Bildern und ungewöhnlichen Kameraperspektiven. Ana (Najwa Nimri) und Otto (Peru Médem und Joost Siedhoff) sind noch Schulkinder, als sie sich in Madrid 1980 kennen lernen. Sie werden Stiefgeschwister und entdecken ihre Liebe und Leidenschaft für einander, die sie heimlich ausleben. Ein Zufall bringt sie an einem Schulalltag zusammen, als Heranwachsende verlieben sie sich und als Erwachsene verlieren sie sich und verbringen das Leben damit, sich wieder zu finden. Verschiedene Zeiten und Räume werden übersprungen und die Geschichte zweier Liebender, die von vielen Zufällen gekennzeichnet ist, wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Der Anfang ist das Ende, das Ende der Anfang, die Kreisbewegung des Films, das Gefangensein im Zyklus der Leidenschaften. Am Polarkreis kreuzen sich die Wege von Ana und Otto wieder, wo die Sonne an dem einen Tag nicht untergeht und für den immerwährenden Zyklus des Lebens steht.


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